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Prevention of work-related dermatoses among hairdressers Nov 25, 2010

hairdressers worlplacsThe hands of a hairdresser come into contact with liquids of all kinds on a daily basis, posing a considerable risk to the employee’s health. As occupational skin damages often lead to prolonged sickness absence, the resulting reduction of productivity causes high costs for businesses and for the national economy. The BGW, a German social accident insurance provider, has decided to strengthen the employees’ health literacy by integrating dermatological treatment and health promotion training.

Informationsanbieter

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Pappelallee 35/37
22089 Hamburg

Aufgabe

Täglich kommen die Hände von Friseuren mit Flüssigkeiten aller Art in Kontakt. Friseure waschen, schneiden, färben und tönen Haare. Dies stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Problem

Zu viel Wasser laugt die Haut aus, Schutzhandschuhe lassen sie schwitzen. Dauerwellen,Tönungs-, Färbe- und Blondierungsmittel enthalten hautgefährdende Substanzen; Emulgatoren Konservierungs- und Duftstoffe können eine Allergie auslösen. Bleiben die Beschwerden (z.B. Rötungen/ Schuppungen oder Bläschen) unbehandelt, können Ekzeme, Einsrisse, nässende Wunden oder Allergien entstehen, die die Ausübung der Tätigkeit zeitweilig oder für immer unmöglich machen. Da die Haut der Spiegel der Seele ist, leidet auch das Selbstwertgefühl des Betroffenen. Doch Hauterkrankungen haben nicht nur Auswirkungen für den Friseur, sondern auch Folgen für die Kostenträger.

Berufsbedingte Hauterkrankungen manifestieren sich in mehr als 90 % der Fälle in Form von Handekzemen. Derartige Erkrankungsbilder stehen seit Jahren zahlenmäßig mit Abstand an der Spitze der gemeldeten berufsbedingten Erkrankungen. So entfielen im Jahr 2005 von den insgesamt an die gewerblichen Berufsgenossenschaften gemeldeten 58.114 Erkrankungen 16.473 (28,3%) auf Hauterkrankungen, bezogen auf 42 Mio. Versicherte (äquivalent 30 Mio. Vollzeitbeschäftigte. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass ein Großteil von berufsbezogenen Handekzemen nicht ausreichend angezeigt wird.

Da berufsbedingte Hauterkrankungen oft hartnäckig sind und längere Arbeitsunfähigkeit verursachen, sind auch die volkswirtschaftlichen Folgekosten durch Arbeitsausfall und Produktivitätsrückgang in den Betrieben erheblich. Der Anteil berufsbedingter Hauterkrankungen an den Gesamtkosten für berufliche Rehabilitationsmaßnahmen ("Teilhabe") der gesetzlichen Unfallversicherung beträgt fast 60 %.

Weiterhin ist das Bewusstsein beruflich bedingter Gesundheitsprobleme in der Friseurbranche gering ausgeprägt. Die Mitarbeiter gelten in den Salons als "nachwachsende Ressource" und der Hautschutz stellt einen Kostenfaktor da.

Lösung

1.) Maßnahmen "Sekundäre Individualprävention"

Für Beschäftigte mit berufsbedingten Hauterkrankungen soll die Gesundheitskompetenz durch die Integration von fachärztlicher dermatologischer Behandlung und gesundheitsfördernder Schulung gestärkt werden.

Im Mittelpunkt der Schulungen stehen die Anleitungen zu hautgesunden Arbeitstechniken im Berufsalltag. Durch die neu erworbenen Kenntnisse sollen Friseure trotz Hauterkrankung den erlernten Beruf dauerhaft weiter ausüben können. Für ausgewählte Versicherte wurde zudem ein psychologisches Aufbauseminar zur Entstehung und Bewältigung von Hauterkrankungen entwickelt. Das Schulungskonzept der Seminare wurde von Gesundheitspädagogen und Dermatologen der Universität Osnabrück in enger Zusammenarbeit mit der BGW entwickelt und auf seine Effektivität hin evaluiert. Die BGW hat eigene Schulungs- und Beratungszentren geschaffen, wo die Seminare abgehalten werden.

Der Erfolg der Seminare führte dazu, dass die BGW die Schulungs- und Beratungszentren ausgebaut hat und nun an jedem Verwaltungsstandort den Betroffenen eine zeit- und wohnortsnahe Teilnahme ermöglicht. An jedem dieser Standorte werden zusätzlich sogenannte Hautsprechstunden durchgeführt, wo betroffene Versicherte aller Branchen ärztlich, sozialpädagogisch und unfallversicherungsrechtlich informiert werden. Weiterhin wurde eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme für Versicherte mit besonders schweren Hauterkrankungen, die neben der gesundheitspädagogischen und psychologischen Betreuung auch eine intensive hautärztliche Betreuung erfordern, entwickelt.

Ergänzend zu diesen beiden Projekten wurde das Meldeverfahren für Versicherte mit Hauterkrankungen und die Qualitätssicherung der ambulanten dermatologischen Behandlung optimiert (sog. Hautarztverfahren).

2.) Maßnahme "Primäre Individualprävention"

Begleitend zu den Maßnahmen der sekundären Individualprävention (sh. 1.) wurde damit begonnen, im Rahmen der Präventionskampagne "Lebe Deinen Traum" den Hautschutz auch bei gesunden Friseuren zu verbessern. Ziel der Kampagne ist es, u.a. eine Verhaltensänderung bei den Friseuren zu erreichen. Über einen mehrjährigen Zeitraum wird die Kernbotschaft "Haare waschen nur noch mit Handschuhen" in unterschiedlichster Weise an die Friseurbranche herangetragen. Durch eine junge, friseurige und glaubwürdige Kommunikation wird die Zielgruppe für das Thema "Hautschutz und Handschuhe tragen" sensibilisiert und motiviert. Die Botschaften der Kampagne lauten:

  • Perfekter Look fängt bei den Händen an
  • Echte Profis tragen Handschuhe beim Haarewaschen
  • Hautschutz kann chic und trendy sein

Für die Kampagne wurde von der BGW die Produktion eines neuen goldenfarbigen Nitril- Einweghandschuh in Auftrag gegeben. Dieser wird neben anderen alltagstauglichen Präventionsprodukten im für BGW-Kunden kostengünstigen Direktvertrieb angeboten. Diese praxistauglichen Angebote lassen den Hautschutz am Arbeitsplatz integrieren. Die Angebote reichen von Startersets – Grundausstattung für Auszubildende bis hin zur Basisausstattung für den Friseurboy. Dabei werden die originären Berufsinteressen der Friseure immer mit dem

Wirksamkeit der Ergebnisse

Von den Teilnehmern an den gesundheitspädagogischen Seminaren der Sekundären Individualprävention waren zehn Jahre nach dem Seminar über 70 % weiterhin als Friseur tätig. Die hohe Zufriedenheit der Seminarteilnehmer, sowie ein hoher Anteil der Teilnehmer, die trotz Hauterkrankungen im Beruf verbleiben konnten, waren die Erfolgskriterien für die Praxistauglichkeit des Konzeptes. Die Anzahl der beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen (Umschulungen) hat sich bei den Friseuren auf weniger als ein Drittel reduziert. Versicherte mit besonders schweren Hauterkrankungen, die über viele Jahre nicht erfolgreich behandelt wurden, konnten mit der stationären Rehabilitationsmaßnahme geheilt oder deutlich verbessert werden.

Die Kampagne zur Verhaltensänderung "Haare waschen nur noch mit Handschuhen" wird hinsichtlich Ihrer Ziele evaluiert. Die Nullmessung hat im Rahmen einer Beobachtungsstudie gezeigt, dass derzeit nur 8 % der Waschvorgänge mit Handschuhen vorgenommen werden. Ergebnisse der Erfolgsmessung werden 2012 vorliegen.

Kosten/Nutzen

Im Zeitraum von 1996 bis 2008 sind die Rehabilitationskosten im Friseurhandwerk von 26,4 Mio. € auf 4,0 Mio. € gesunken. Dies entspricht ein Rückgang der Kosten um fast 85 %. Durch die eingesparten Rehabilitationskosten, konnte der Beitrag für die Friseure zur gesetzlichen Unfallversicherung stetig gesenkt werden, da die Kosten die Kosten für die gesundheitspädagogischen Seminare deutlich übersteigen.

In der Vermeidung jeder Berufsaufgabe liegt ein hohes Einsparungspotential für die Kostenträger. Es ist ökonomisch wertvoll, betroffene Versicherte, die lediglich den Verdacht wecken, eine beruflich verursachte Hauterkrankung zu haben, in die Programme der sekundären Individualprävention aufzunehmen, ohne vorab jeden Einzelfall zu prüfen, ob es sich tatsächlich um einen entschädigungspflichtigen Versicherungsfall handelt. Dies führt zu deutlichen Kosteneinsparungen nicht nur bei den betroffenen Versicherten, den Unternehmen und der Kranken- und Rentenversicherung, sondern auch für die speziell zuständige gesetzliche Unfallversicherung.

Die positiven Erfahrungen im Friseurhandwerk wurde auch auf andere Berufsgruppen bei der BGW übertragen und führten auch dort zu einer Reduktion der Kosten der beruflichen Rehabilitation auf 22 % des Ausgangswertes 1996. Beide Ansätze (primär- und sekundärpräventiv) konnten im Rahmen der branchenübergreifenden Verbandsarbeit der DGUV auf andere Berufsfelder übertragen werden. Besonders wertvoll sind die Konzepte für sozialwirtschaftliche Strukturen, in denen Prävention und Rehabilitation in einer Hand liegen, bzw. die Finanzierung beider Aspekte miteinander korreliert.

Weitere Informationen
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Mr. Björn Kähler
Tel.: 040/20207 – 3210
Fax: 040/20207 – 3298
E-Mail: bjoern.kaehler@bgw-online.de