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Abschlussbericht zur Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen im europäischen Vergleich veröffentlicht 07.09.2016

Deckblatt zu Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen im europäischen VergleichIm Juni 2016 wurde die Kurzfassung des Abschlussberichtes zum Forschungsprojekt "Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen in der EU" veröffentlicht, das die BAuA im Auftrag der Hans Böckler Stiftung (HBS) erarbeitet hat.

Das Working Paper vermittelt Erkenntnisse zu Ausgangsbedingungen, Akteurskonstellationen und Verläufen der Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastung unter jeweils unterschiedlichen nationalen Handlungsbedingungen.

[Quelle/Urheber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 7. September 2016]

Hintergrund

Seit 1989 existiert in der Europäischen Union ein einheitlicher arbeitsschutzrechtlicher Rahmen, in dem die Gefährdungsbeurteilung als zentraler Baustein des betrieblichen Arbeitsschutzes verbindlich geregelt ist. Da gerade psychosoziale Belastungen – Stress, Zeit- und Leistungsdruck, Mobbing – an vielen Arbeitsplätzen weit verbreitet sind, hat die BAuA in diesem Projekt (Laufzeit: 10/2013 – 3/2016) vertieft untersucht, wie Betriebe sich der Aufgabe stellen, die Gefährdungsbeurteilung bei diesen Belastungen umzusetzen, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Und da in Europa nationale Strategien und Praktiken im Arbeitsschutz zunehmend vergleichend betrachtet werden, ging es mit diesem Projekt auch darum, Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zusammenzutragen, um daraus Anregungen für den Arbeitsschutz in Deutschland zu gewinnen. In der im Juni 2016 online publizierten Kurzfassung des Abschlussberichtes sind die wesentlichen Projektergebnisse aufgearbeitet.

Inhalt

Die BAuA führte in vier europäischen Ländern (Schweden, Dänemark, Großbritannien, Spanien) betriebliche Fallstudien in zehn Unternehmen (Krankenhäuser, metallverarbeitende Betriebe, Hotels) durch, die auf Interviews mit Vertretern der Beschäftigten und des Managements basieren. Diese wurden ergänzt um Interviews mit überbetrieblichen Experten und die Analyse von relevanten Dokumenten, die wichtige Informationen zu dem jeweiligen nationalen Kontext lieferten.

Es konnte aufgezeigt werden, dass die Rahmenbedingungen in den skandinavischen Ländern – insbesondere die dort historisch gewachsene Kooperation zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden – günstiger für eine erfolgreiche Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen sind als in Großbritannien und Spanien. In diesen Ländern waren verstärkte Anstrengungen auf betrieblicher Ebene, etwa ein strategisches Vorgehen der betrieblichen Interessenvertretung erforderlich, um die Gefährdungsbeurteilung auf den Weg zu bringen. So konnten auch z.T. weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umgesetzt werden - von Schulungen, über die Einführung von abteilungsübergreifenden Treffen des Managements, Veränderungen der Arbeitsorganisation und technischen Neuerungen bis zur Aufstockung des Personals zur Bewältigung des gestiegenen Arbeitsvolumens.

Schlussfolgerungen

Bei allen Unterschieden der nationalen Arbeits(schutz)kulturen in den untersuchten vier Ländern lassen sich aus den Ergebnissen Erfahrungswerte ableiten, die auch für den Arbeitsschutz in Deutschland von Bedeutung sind. Diese betreffen insbesondere die folgenden Aspekte:

  • Empfehlungen zu Methoden und Vorgehensweisen bei der Gefährdungsbeurteilung tragen zur betrieblichen Handlungssicherheit bei und reduzieren das Konfliktpotential.
  • Der Prozess der Gefährdungsbeurteilung, d.h. die einzelnen Handlungsschritte bis zur Maßnahmenumsetzung sollten im Vordergrund stehen, weniger die Frage der Auswahl einer bestimmten Methode.
  • Ausgeprägte Partizipationsrechte der betrieblichen Interessenvertretung wie auch eine gewachsene Partizipationskultur erleichtern die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung.
  • Die Aktivierung und Nutzung des betrieblichen Erfahrungswissens (z.B. per Befragung der Beschäftigten) ist eine wichtige Erfolgsbedingung für den Erfolg der Gefährdungsbeurteilung. Die punktuelle Einbindung von außerbetrieblichem Sachverstand kann etwa in der Anfangsphase des Prozesses hilfreich sein.
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Abschlussbericht zur Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen im europäischen Vergleich veröffentlicht
Reihe: Forschungsförderung Working Paper, Nr. 16., Düsseldorf:  2016, ISSN: 2509-2359. 89 Seiten
(kostenloser Download auf der Website der Hans Böckler Stiftung )

FINAL REPORT - Psychosocial Risk Management in a European Comparison
(englische Fassung)