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GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG
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Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen in Deutschland - Verbreitung, hemmende und fördernde Bedingungen 07.05.2012

Deckblatt zu 'Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen in Deutschland'Nur eine Minderheit der Betriebe, die Gefährdungsbeurteilungen umsetzen, berücksichtigen dabei auch psychische Belastungen. Zu diesem Fazit kommen Experten der Fachgruppe 3.5 (Psychische Belastungen, Betriebliches Gesundheitsmanagement) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Aus den Ergebnissen der von ihnen referierten Studien ergeben sich erste Hinweise zu den Anforderungen an eine erfolgreiche Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen.

[Quelle/Urheber: Zeitschrift "Prävention und Gesundheitsförderung", Springer-Verlag 2012]

Hintergrund

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber mit Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verhütung von Unfällen, von arbeitsbedingten Erkrankungen und zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit beizutragen. Um dies effektiv tun zu können, genügt es nicht, sich auf körperliche Belastungen und/ oder stoffliche (physikalische, biologische, chemische) Einwirkungen zu beschränken. Angesichts der Veränderungen in der Arbeitswelt kommt den psychischen Belastungen der Arbeit heute eine deutlich gesteigerte Bedeutung zu. Wer arbeitsbedingte Erkrankungen verhüten und Arbeit menschengerecht gestalten will, muss auch die psychischen Belastungen der Arbeit zum Gegenstand des Arbeits- und Gesundheitsschutzes machen.

Es gilt, die Arbeit so zu gestalten, dass ungünstige psychische Belastungen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, vermieden werden und gesundheitsförderliche Ressourcen der Arbeit, die sich positiv auf die Gesundheit der Arbeitenden auswirken, erschlossen und entwickelt werden.

Welche Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes erforderlich sind, hat der/die Arbeitgeber(-in) durch eine Gefährdungsbeurteilung, d. h. durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln (§ 5 ArbSchG).

Inhalt

Im Beitrag werden mit Blick auf folgende Fragen aktuelle Studien aus den vergangenen fünf Jahren referiert und erste Empfehlungen für die Praxis abgeleitet:

  • Wie verbreitet werden gegenwärtig in Deutschland Gefährdungsbeurteilungen umgesetzt?
  • Wie hoch ist der Anteil der Betriebe, die Gefährdungsbeurteilungen unter Berücksichtigung psychischer Belastungen durchführen?
  • Welche Bedingungen sind der Umsetzung von Gefährdungsbeurteilungen unter Berücksichtigung psychischer Belastungen förderlich und welche stehen ihr hemmend im Wege?

Die diesem Beitrag zugrundeliegenden Recherchen erfolgten im Kontext eines aktuell laufenden Entwicklungsprojektes der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, in dem ein "Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen" erarbeitet wird. Das Handbuch soll sich vor allem an betriebliche Akteure wenden und diese bei der Planung und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen unterstützen. In diesem Kontext dient die Bestandsaufnahme weniger der Bestimmung von Forschungslücken und -aufgaben, sondern vielmehr der Aufarbeitung des Wissens, auf dem bei der Erarbeitung von Empfehlungen zur praktischen Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung aufgebaut werden kann.

Fazit

Psychische Belastungen werden in Gefährdungsbeurteilungen noch zu selten berücksichtigt. Aus den Ergebnissen der referierten Studien ergeben sich erste Hinweise zu den Anforderungen an eine erfolgreiche Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen. Wie diese Anforderungen im Einzelnen erfüllt werden können, dazu bedarf es weiterer Analysen, der Ermittlung und Aufarbeitung betrieblicher Erfahrungen, der (Weiter-)Entwicklung praxisnaher und zugleich inhaltlich fundierter Unterstützungs- und Beratungsangebote sowie nicht zuletzt eines intensivierten Dialogs betrieblicher und überbetrieblicher Akteure im Themenfeld.

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