Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG
Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie befinden sich hier ... Startseite Handlungshilfen Beispiele Guter Praxis Asymmetrische Fiberglasleiter [für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten auf Kühlmöbeln]

Asymmetrische Fiberglasleiter [für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten auf Kühlmöbeln] 20.09.2010

Unternehmen: Carrier Kältetechnik GmbH
Thema: Instandhaltung - Sicheres Arbeiten auf Kühlmöbeln

Unternehmen

Carrier Kältetechnik GmbH
Deutschland
Sürther Hauptstrasse 173
D-50 999 Köln

Aufgabe

Gewerbliche Kühlmöbel haben die Aufgabe, leicht verderbliche Waren (wie z.B. Butter, Milch, Käse, etc.) durch eine kontrollierte Umgebungstemperatur frisch zu halten. Im modernen Einzel- und Großhandel werden die einzelnen Kühlmöbel häufig zu längeren Kühlmöbelreihen zusammengefügt ("multiplexing"), was einen seitlichen Zugang erschwert. Die Möbelreihen sind i.d.R. an Wänden aufgestellt, so dass ein Zugang über die Rückseite auch nicht möglich ist. Die Versorgung mit wichtigen Medien (u.a. Kältemittel, Elektrizität) erfolgt deshalb häufig über Kopf, wodurch zentrale Einrichtungen (Rohre, Kabel, Anschlüsse, Ventile, Filter, etc.) auf dem Dach des Kühlmöbels installiert sein können. Aufgrund der Abmessungen der Kühlmöbel, befinden sich diese Einrichtungen in einer Höhe zwischen 2.000 – 2.500 mm.

Im Rahmen der Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten müssen die verschiedenen Einrichtungen auf dem Dach der Kühlmöbel regelmäßig geprüft, gereinigt und ggf. ausgetauscht werden. Diese Arbeiten sind im laufenden Betrieb durchzuführen. Die Ausführung der Wartungsarbeiten in einer kontrollierten Umgebung (z.B. Werkstatt) mit entsprechenden Hilfs- und Sicherheitseinrichtungen (z.B. Hebebühnen, Gerüste), ist aufgrund der ortsfesten Installation ausgeschlossen.

Problem

Die Wartungsarbeiten müssen in einer Höhe von etwa 2 – 2.5 Meter durchgeführt werden. Der Zugang zum Möbeldach kann aufgrund der Rahmenbedingungen (Kopplung, Wandaufstellung) in der Regel nur über die Frontseite erfolgen. Aufgrund der Möbelgeometrie liegen Auslage und Möbeldach häufig nicht auf einer Achse. Das heißt, das Möbeldach ist gegenüber der Auslage nach hinten versetzt. Dies erschwert den Zugang zum Möbeldach und den darauf befindlichen Einrichtungen.

In der Praxis bedeutete dies in der Vergangenheit, dass die Wartungstechniker von einer parallel zur Möbelfront aufgestellten Bockleiter, mit einem Spreizschritt das Dach des Kühlmöbels bestiegen, um von dort auf die Einrichtungen zuzugreifen [siehe Bild 1]. Dies hatte mehrere Gefährdungen zur Folge:

  1. Arbeiten in Höhe, mit entsprechendem Absturzrisiko aufgrund der kleinen Arbeitsfläche. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der vergleichsweise geringen Fallhöhe der Einsatz von persönlicher Absturzsicherung unwirksam ist.
  2. Rutschgefahr der Leiter, beim Besteigen oder Absteigen vom Kühlmöbel
  3. Ergonomisch ungünstige Arbeitssituation, vor allem beim Tragen von Arbeitsgeräten (z.B. Handbohrer) und knieende Haltung bei Arbeiten auf dem Möbeldach
  4. Benutzung einer (elektrisch leitenden) Aluminiumleiter bei Wartungsarbeiten, die auch Umgang mit elektrischem Strom beinhalten können.
  5. Lösung

    Aufgrund der unbefriedigenden Arbeitssituation und schweren Arbeitsunfällen bei schweizerischen (2006) und britischen (2007) Schwestergesellschaften, entschloss sich die Geschäftsleitung der Carrier Kältetechnik im Februar 2007, einen firmeninternen, internationalen Workshop zur Verbesserung der Arbeitssicherheit durchzuführen. An dem Workshop nahmen sowohl technische Fachkräfte und Arbeitssicherheits-Experten, wie auch Mitarbeiter aus dem Service und Fachverantwortliche teil.

    Als ein Ergebnis des Workshops, wurde die Anschaffung einer neuen Service-Leiter beschlossen, ergänzt durch eine detaillierte Verfahrensbeschreibung zum Arbeiten auf Kühlmöbeln. Für die Service-Leiter wurden Rahmen-Spezifikationen und erste Entwurfszeichnungen erstellt.

    Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die ersten Leiterentwürfe für den praktischen Einsatz des Servicetechnikers nur begrenzt nutzbar waren, da Arbeiten auf dem (Kühl-)Möbeldach nur einen Teil des Aufgabenspektrums darstellen. Für alle anderen Tätigkeiten ließ sich das ursprüngliche Leiterkonzept nicht einsetzen. Um zu vermeiden, dass im Servicefahrzeug mehrere Leitertypen mitgeführt werden müssten, wurde von Carrier das Konzept für eine Sonder-Vielzweckleiter, mit dem Ziel "Aus Drei mach Eins" überarbeitet (angepasst an das Aufgabengebiet des Technikers).

    Diese Leiter deckt jetzt folgende Einsatzfelder ab:

    • Anlegeleiter,
    • Stehleiter,
    • Elektroleiter 1000 V,
    • Arbeitspodest,
    • asymmetrische Nutzung zum sicheren Besteigen von Möbeldächern.

    Zur weiteren Verbesserung der Nutzbarkeit wurde die Leiter ergänzt um:

    • Einhängepodest (Verbesserung der Standsicherheit auf der Leiter und ermüdungsfreieres Stehen) [Bild 2]
    • Werkzeug-Ablageschale (Sicherung von Werkzeugen gegen Herunterfallen) [Bild 2]
    • Ein-/zweiseitige Holmverlängerung mit integrierten Erdspießen (Ausgleich von unterschiedlichen Niveaus im Aufstellungsbereich und Sicherung bei weichem Untergrund.
    • Faltbar und fahrbar (Verbesserung/Erleichterung der Transportmöglichkeit vom Fahrzeug zum Arbeitsplatz)

    Zur Herstellung der Leiter wurde ein renommierter deutscher Hersteller gewonnen, der aufgrund des Carrier-Entwurfs innerhalb weniger Wochen ein Muster bereitstellen konnte. Auf der Grundlage des Musters wurde in Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten dann die Verfeinerung durchgeführt und ein realisierbares normgerechtes Leitermodell erarbeitet.

    An der Entwicklung der asymmetrischen Fiberglasleiter haben in Form von praktischen Testläufen, Konsultation und Präsentation partizipiert:

    • verschiedene Servicetechniker und Gebietsleiter,
    • Teilnehmer von Gebiets-/Service-Regionsleiter-Tagungen, bei denen die asymmetrische Leiter vorgestellt und diskutiert wurde,
    • der Carrier-Workshop München im Februar 2007, mit Teilnehmern aus Norwegen, Luxemburg, Schweiz und Deutschland.
    • Gemeinsame Arbeitsbesprechung mit Schwerpunkt "Möbel besteigen" beim Leiter-Hersteller, mit Vertretern aus Norwegen, Luxemburg, Schweiz und Deutschland.

    Nach Bereitstellung einer limitierten Vorserie erfolgte eine Pilotphase mit praktischen Tests an Möbeln von 2,0 und 2,20 m Höhe in Norwegen, Luxemburg, Schweiz und Deutschland. Gefolgt von einer Baumusterprüfung durch den TÜV und die DEKRA. Das Prüfungsergebnis war in allen Punkten erfolgreich, so dass die Freigabe für die Serienfertigung erteilt werden konnte.

    Die Auslieferung der ersten Serienmodelle erfolgte im Herbst 2007 und erstreckte sich bis Ende 2008. Parallel zu den ersten Auslieferungen wurde eine Serviceinformation zur Anwendung der neuen Service-Leiter (PE/05/2007 vom 23.10.07) in Umlauf gebracht. Weiterhin wurde eine Serviceinformation zum Arbeiten auf Kühlmöbeln (PE/10/2009) [siehe auch Bild 3] erstellt. Außerdem wurden die Mitarbeiter und ihre Vorgesetzten in mehreren, regional verteilten, Seminaren praktisch und theoretisch im Umgang mit der neuen Ausrüstung unterwiesen.

    Wirksamkeit der Ergebnisse

    Im Anwendungsbereich "Arbeiten auf Kühlmöbeln" hat sich insbesondere die Verwendungsart der asymmetrischen Anlegeleiter bewährt [Bild 2]. Hier können problemlos von der Leiter Bereiche im und auf dem Kühlmöbel erreicht werden, ohne eine ergonomisch ungünstige, knieende Haltung einnehmen zu müssen. Als weitere ergonomische Verbesserung wird für längere Arbeiten ein ausklappbares Standpodest angeboten [Bild 2]. Dadurch wird vermieden, dass der Mitarbeiter längere Zeit auf einem Sprossenholm steht. Darüber hinaus steht dem Service-Techniker eine Ablageschale zu Verfügung, in der er Handwerkzeuge griffgünstig zwischenlagern kann [Bild 2].

    Durch das unmittelbare Aufliegen der Leiter auf dem Kühlmöbeldach erübrigt sich das gefahrenträchtige Überbrücken des Abstands zwischen Bockleiter und Möbeldach, mit der zusammenhängenden potentiellen Absturzgefahr. Die feste Auflage und die Ausrüstung der Leiterenden mit rutschfesten Gummifüßen minimiert die Gefahr des Wegrutschens. Die nichtleitende Fiberglas-Ausführung erlaubt auch den Einsatz der Leiter bei Arbeiten mit elektrischem Strom.

    Seit der Einführung der Leiter wurden keine Unfälle im Zusammenhang mit Arbeiten auf Kühlmöbeldächern mehr verzeichnet. Obwohl der Einfluss einer einzelnen Maßnahme sich nur schwer im statistischen Unfallgeschehen erfassen lässt, unterstellen wir doch einen positiven Beitrag zu unserer, sich kontinuierlich verbessernden, Unfallstatistik [Bild 4].

    Aufgrund der positiven Erfahrungen wird die neue Service-Leiter zwischenzeitlich auch bei unseren Schwestergesellschaften in Österreich, Schweiz, Tschechien, Ungarn, Norwegen, eingesetzt.

    Kosten/Nutzen

    Die Kosten für die Anschaffung betragen etwa € 780.- pro Leiter, zuzüglich der zusätzliche, zeitliche Aufwand für Schulung und Erstellung der Trainingsmaterialien und Verfahrensanweisungen.

    Als hohen materiellen, wie auch immateriellen Nutzen, sehen wir die Vermeidung von schweren Arbeitsunfällen, wie sie in der Vergangenheit wiederholt im Zusammenhang mit der o.a. Tätigkeit aufgetreten sind. Darüber hinaus die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Senkung des Krankenstandes.

    Im Rahmen der jährlichen Mitarbeiterbefragung ("Engagement Survey") erzielte die Thematik des Arbeits- und Umweltschutzes in den letzten Jahren regelmäßig die höchsten Zustimmungsquoten (2010: 83% positiv), neben dem Themenfeld Geschäftsethik (2010: 80% positiv). Die Carrier Kältetechnik GmbH sieht dies als Bestätigung der bislang eingeführten Maßnahmen im Bereich Arbeitsschutz, sowohl auch als Aufforderung, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

    Weitere Informationen

    Bild 1-4

Artikelaktionen
Ansprechpartner

Im Unternehmen:

Dr. Horst Rakel
Herr Andreas Ehlen
Tel.: +49-(0)2236-601-2337
Fax: +49-(0)2236-601-3361
E-Mail: brigitte.aussem@carrier-kt.de