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- Info
Ungenügend gestaltete Arbeitsorganisation
Einführung
Störungen des Arbeitsablaufes, z. B. durch Unterbrechungen der Arbeit oder technische Ausfälle, können zum Erleben von Stress und psychischer Ermüdung führen, aber auch die Arbeitszufriedenheit beeinträchtigen. Die Gestaltung der Arbeitszeit geht über die normale Tätigkeitsgestaltung der Arbeitsorganisation hinaus. Das Arbeitzeitgesetz enthält klar definierte Vorgaben zur Arbeitszeitgestaltung. Die Einführung und Anwendung von flexiblen Arbeitszeitformen – insbesondere Schicht-, Nacht-, und Wochenendarbeit – erfordert die Beachtung der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Nacht- und Schichtarbeit. Im Kapitel "Arbeitszeitgestaltung" wird das Thema ausführlich beschrieben und eine Checkliste "Arbeitszeit" als Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung bereitgestellt.
Art der Gefährdungen und deren Wirkungen
Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit
Psychische Belastungen können negative Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit, insbesondere auf das Unfallgeschehen, haben:
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nachlassende Aufmerksamkeit, Konzentration
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Informationsverluste durch leichte Ablenkbarkeit von der Arbeit
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verlängerte Reaktionszeiten
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verspätetes oder ausbleibendes Bewusstwerden eigener Fehlhandlungen
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Tendenz zu reaktiver statt vorausschauender Arbeitsweise.
Auswirkungen auf Leistung, Verhalten, Gesundheit
Negative Auswirkungen auf Leistung, Verhalten und Gesundheit können sein:
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kurzfristig, zumBeispiel:
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Stresserleben, Ermüdungsgefühl, Monotonie, Sättigungserleben [2], [3], [14]
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Leistungsschwankungen
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gehäufte Konflikte im kollegialen Bereich
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längerfristig beziehungsweise chronisch, zum Beispiel:
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Gesundheitsbeschwerden, psychosomatische Störungen und Erkrankungen
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erhöhter Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenkonsum
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Unzufriedenheit, Resignation, innere Kündigung, depressive Verstimmung, Burnout
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Leistungsminderungen
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erhöhtes Infarktrisiko, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall
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Fehlzeiten, Fluktuation, Frühverrentung
Grenzwerte, Beurteilungskriterien
Grenzwerte können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angegeben werden.
Zu bewerten sind:
Arbeitsorganisation
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die Übereinstimmung zwischen den Anforderungen der Tätigkeit und den betrieblichen Abläufen (zum Beispiel Transparenz, Informationsflüsse, Rückmeldungen)
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die (Leistungs-)Vorgaben mit den Realisierungsbedingungen (organisatorisch, technisch)
Arbeitsanfall und Arbeitsablauf
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Ausgeglichenheit des Arbeitsanfalls über die Arbeitszeit
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stoßweiser Arbeitsanfall
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Zeitpuffer fehlen
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Störungen und Unterbrechungen des Arbeitsablaufes
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Ausfälle von Maschinen, Geräten, Rechentechnik
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häufige Fertigungsumstellungen
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Nichteinhaltung der Lieferfristen von Zulieferern
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Personalmangel
Transparenz und Vorhersehbarkeit
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unzureichende Klarheit über den Arbeitsablauf, zum Beispiel über die Einbindung der eigenen Tätigkeit in den Gesamtprozess, über Tätigkeitserfordernisse- und -folgen
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häufige Bewältigung unvorhersehbarer Abweichungen vom Normalbetrieb, zum Beispiel infolge mangelhafter Funktionssicherheit der Technik, infolge organisatorischer Schwachstellen, wie Transportprobleme, Personalmangel
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keine aktive Einflussnahme auf die Arbeitssituation möglich, zum Beispiel Vorausplanen, Spielräume ausschöpfen, Mitgestalten
Arbeitsschutzmaßnahmen
Zur Vermeidung beziehungsweise zur Optimierung der psychischen Belastungen, die aus den Anforderungen der Arbeitsaufgabe und der Arbeitsorganisation resultieren, können nach [12], [13], [15], [16] beitragen:
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systematischer Arbeitsplatzwechsel (Job Rotation):
Die Arbeitsinhalte werden nicht verändert, sondern mehrere Beschäftigte wechseln im Rhythmus die Arbeitsplätze.
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Arbeitserweiterung (Job Enlargement):
Der Arbeitsinhalt wird vergrößert, das heißt den Beschäftigten werden mehrere ähnliche Arbeitsaufgaben übertragen, die auf gleichem Qualifikationsniveau liegen. Dies führt zu höheren Zyklus- beziehungsweise Taktzeiten.
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Arbeitsbereicherung (Job Enrichment):
Der Arbeitsinhalt wird derart verändert, dass den Arbeitspersonen größere Handlungsspielräume übertragen werden und somit größere Qualifikationsanforderungen an sie gestellt werden.
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Arbeitsgruppen mit erweiterten Handlungs- und Entscheidungsspielräumen:
Einer Arbeitsgruppe wird ein umfassender Arbeitsauftrag übertragen. Über die Art seiner Ausführung können die Mitglieder der Gruppe im Rahmen vorgegebener Ziele, Zeitvorgaben und technischer Bedingungen selbst entscheiden, zum Beispiel über die Verteilung der Arbeitsaufgaben.
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Aufbau von Ressourcen:
organisatorisch, technisch, personell
Vorschriften, Regelwerk, Literatur
Gesetze, Verordnungen
Regeln der Technik
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DIN EN ISO 10075-1:2000 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung: Allgemeines und Begriffe
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DIN EN ISO 10075-2:2000 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung : Gestaltungsgrundsätze
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DIN EN ISO 10075-3:2004 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung: Grundsätze und Anforderungen am Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeitsbelastung
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ISO 6385:2004 Prinzipien der Ergonomie in der Auslegung von Arbeitssystemen, neu: Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen
Vereinbarung der europäischen Sozialpartner
Literatur
-
[1] Joiko, K.; Schmauder, M.; Wolff, G.:
Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben: Erkennen – Gestalten.
5. aktualisierte Auflage.
Dortmund: BAuA 2010. (BAuA-Quartbroschüre)
-
[2] Richter, G.:
Stress, psychische Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung.
Dortmund: BAuA 2000.
(Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, 116: Psychische Belastung und Beanspruchung))
-
[3] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Stress im Betrieb? - Handlungshilfen für die Praxis
Bearbeiter: Projektgruppe "Stress" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dortmund: BAuA 2004.
(Gesundheitsschutz, 20) BAuA-Quartbroschüre
-
[4] Richter, P.; Hacker, W.:
Belastung und Beanspruchung – Stress, Ermüdung und Burnout im Arbeitsleben.
2. Auflage.
Heidelberg: Asanger 2008
-
[5] Debitz, U.; Gruber, H.; Richter, G.:
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 2: Erkennen, Beurteilen und Verhüten von Fehlbeanspruchungen.
4. überarbeitete Auflage.
Tharandt: InfoMedia. 2007
-
[6] Richter, G.;
Toolbox 1.2. Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen.
Dortmund/Dresden: BAuA 2009.
(Forschung Projekt F1965)
-
[7] Resch, M.:
Analyse psychischer Belastungen – Verfahren und ihre Anwendung im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Bern: Huber 2003
-
[8] Richter, G.; Friesenbichler, H.; Vanis, M.:
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 4: Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg.
2. überarbeitete Auflage.
Tharandt: Info Media Verlag e.K. 2006
-
[9] Holm, M; Geray, M.:
Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung – Handlungshilfe.
5. überarbeitete Auflage.
Dortmund: BAuA 2011
INQA-Quartbroschüre
-
[10] Hacker, W.:
Allgemeine Arbeitspsychologie. Psychische Regulation von Wissens-, Denk- und körperlicher Arbeit.
2., vollst. überarb. und ergänzte Auflage.
Bern: Huber 2005
-
[11] Frieling, E.; Sonntag, K.:
Lehrbuch Arbeitspsychologie.
2., vollständig überarbeite und ergänzte Auflage.
Bern: Huber 1999
-
[12] Ulich, E.:
Arbeitspsychologie.
7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.
Zürich: vdf Hochschulverlag AG 2011
-
[13] Richter, G.:
Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen.
Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 2001.
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschung, Fb 909)
-
[14] Richter, G.:
Psychische Belastung und psychische Beanspruchung : Stress, psychische Ermüdung, Monotonie und psychische Sättigung.
3. überarbeitete Auflage.
Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 2000
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsanwendung, Fa 36)
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[15] Pohlandt, A.; Heymer, J.; Gruber, H.:
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 3: Verhüten von Fehlbeanspruchungen durch Arbeits- und Organisationsgestaltung.
2. Auflage.
Bochum: Verlag Technik & Information e.K. 2004
-
[16] Heeg, F. J.; Beinhold, F.; Bubel, S.:
Lust auf Arbeit.
4. Auflage.
Dortmund: BAuA 2003. (BAuA-Quartbroschüre)
-
[17] Schmidtke, H.:
Lehrbuch der Ergonomie.
München, Wien: Hauser 1993
-
[18] Schlick, C.; Bruder, R.; Luczack, H.:
Arbeitswissenschaft.
Heidelberg: Springer 2010
-
[19] Bullinger, H. J.:
Ergonomie, Produkt- und Arbeitsplatzgestaltung.
Stuttgart: B. G. Teubner 1994
-
[20] Becker, P.:
Prävention und Gesundheitsförderung.
In: Schwarzer, R. (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Göttingen: Hogrefe 1997
-
[21] Antonovsky, A.:
Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit.
Tübingen: dgvt 1997
Internetangebote/Links
Textbausteine für Prüflisten und Formblätter
Prüffragen
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Sind die Arbeitsabläufe transparent?
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Gibt es Unterbrechungen oder Störungen der Arbeit?
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Werden immer wiederkehrende einförmige Bewegungsabläufe während der Tätigkeit vermieden (z. B. Fließbandarbeit)?
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Sind Verantwortlichkeiten klar abgegrenzt?
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Ist bei Tätigkeiten mit hoher emotionaler Inanspruchnahme, z. B. in der Kranken- und Altenpflege oder bei der Sozialarbeit, eine ausreichende Unterstützung in Problemsituationen vorhanden?
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Werden Belastungen durch häufige unvorhergesehene Abweichungen vom normalen Arbeitsablauf vermieden?
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Ist es den Beschäftigten möglich, die anfallende Arbeit gleichmäßig über die Arbeitszeit zu verteilen? [5]–[9]
Festgestellte Gefährdungen und Mängel
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Unzureichende Arbeitsorganisation
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unzureichende Durchschaubarkeit, Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit des Arbeitsablaufes
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unausgeglichener Arbeitsanfall über die Arbeitszeit
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unzureichende Qualifikation
Maßnahmen
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Um- oder Neuorganisation
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konkrete Regelungen für Arbeitsabläufe
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Information über Organisation
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Rückmeldung über Arbeitsergebnisse
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Gruppenarbeit einführen
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Aufbau bzw. Ausbau der Ressourcen
[15]-[21]
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