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- Info
Ungenügend gestaltete Arbeitsaufgabe
Art der Gefährdungen und deren Wirkungen
Arbeitstätigkeiten können so gestaltet sein, dass die Arbeitsplatzinhaber ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erhalten und erweitern können, dass sie gesund und motiviert ihre Arbeit bewältigen. In vielen Fällen stimmen jedoch die Anforderungen aus der Arbeitsaufgabe nicht mit den individuellen Leistungsvoraussetzungen überein. Psychische Über- oder Unterforderung sind möglich Folgen. Psychische Fehlbelastung Mit psychischen Fehlbelastungen sind Anforderungen und Belastungen gemeint, die in ihrer Ausprägung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bei Beschäftigten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit Sie können negative Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit, insbesondere auf das Unfallgeschehen, haben: - nachlassende Aufmerksamkeit, Konzentration
- Informationsverluste durch leichte Ablenkbarkeit von der Arbeit
- verlängerte Reaktionszeiten
- verspätetes oder ausbleibendes Bewusstwerden eigener Fehlhandlungen
- Tendenz zu reaktiver statt vorausschauender Arbeitsweise.
Auswirkungen auf Leistung, Verhalten, Gesundheit Negative Auswirkungen auf Leistung, Verhalten und Gesundheit können sein: - kurzfristig, zumBeispiel:
- Stresserleben, Ermüdungsgefühl, Monotonie, Sättigungserleben [2], [3], [14]
- Leistungsschwankungen
- gehäufte Konflikte im kollegialen Bereich
- längerfristig beziehungsweise chronisch, zum Beispiel:
- Gesundheitsbeschwerden, psychosomatische Störungen und Erkrankungen
- erhöhter Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenkonsum
- Unzufriedenheit, Resignation, innere Kündigung, depressive Verstimmung, Burnout
- Leistungsminderungen
- erhöhtes Infarktrisiko, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall
- Fehlzeiten, Fluktuation, Frühverrentung
Grenzwerte, Beurteilungskriterien
Grenzwerte Grenzwerte können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angegeben werden. Zu bewerten sind jedoch - die Übereinstimmung zwischen den Leistungsvoraussetzungen der Beschäftigten und den Anforderungen der Tätigkeit (optimale psychische Herausforderungen/Belastungen oder Fehlbelastungen)
- das Auftreten psychischer Fehlbeanspruchungsfolgen wie zum Beispiel das Erleben psychischer Ermüdung bei psychischer Überforderung oder das Erleben von Monotonie bei psychischer Unterforderung.
Gestaltung der Arbeitsinhalte Bei der Gestaltung der Arbeitsinhalte [10] sind folgende Einflussfaktoren zu berücksichtigen: - Vollständigkeit der Tätigkeit
- Verantwortung - Information
- zeitlicher und inhaltlicher Tätigkeitsspielraum
- Kooperation/Kommunikation
- Durchschaubarkeit, Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit
- emotionale Inanspruchnahme
- körperliche Abwechslung Qualifikation
- Qualifikationsnutzung- und -erweiterung
Vollständigkeit der Tätigkeit Vollständige Tätigkeiten enthalten das selbständige Setzen von Zielen, die Handlungsvorbereitung, die Auswahl der Mittel, die Ausführung und die Erfolgskontrolle und wirken dadurch beanspruchungsgünstig sowie motivationsfördernd. Es ist daher zu beurteilen, ob die Tätigkeit - unvollständig ist, zum Beispiel nur Bearbeiten, nur Kontrollieren
- Daueraufmerksamkeit bei seltenen Handlungserfordernissen verlangt, zum Beispiel Überwachungstätigkeit in automatisierten Anlagen
- nur aus Resttätigkeiten nach erfolgter Automatisierung besteht, zum Beispiel Materialzuführung
Verantwortung - Sind Kompetenzen und Verantwortlichkeiten unklar?
- Besteht eine zu hohe oder zu geringe Verantwortung für andere Menschen, das Arbeitsergebnis oder die zu nutzende Technik?
Information Ein Mangel oder ein Übermaß an Information führt ebenfalls zu psychischen Fehlbeanspruchungen, Dabei sind die folgenden Aspekte zu prüfen: - fehlende, unvollständige oder verspätete Informationen zur eigenen Leistung, zum Arbeitsablauf und zum Betriebsgeschehen
- ungenügende Einweisung in die Arbeitsaufgabe - Treffen von Entscheidungen ohne ausreichende Informationen
- widersprüchliche Arbeitsanweisungen und Informationen in Bezug auf die Aufgabendurchführung
- Informationsüberflutung
Weitere Prüfsteine: zeitlicher und inhaltlicher Tätigkeitsspielraum Zeitlicher und unhaltlicher Tätikeitsspielraum - enge Zeitbindung, zum Beispiel bei Taktarbeit, hoher Arbeitsintensität
- hoher Zeitdruck
Kooperation, Kommunikation - keine Variationsmöglichkeiten bei der Arbeitsausführung
- geringe soziale und/oder fachliche Kontakte mit Kollegen
- unzureichende Möglichkeiten zur gegenseitigen Unterstützung der Beschäftigten oder Unterstützung durch den Vorgesetzten, zum Beispiel bei Schwierigkeiten während der Arbeit
Emotionale Inanspruchnahme - Tätigkeiten, die menschliche Gefühlswerte stark berühren, zum Beispiel Sozialarbeit, Rettungsdienst, Feuerwehr
- Tätigkeiten, die ein ständiges Eingehen auf andere Menschen erfordern, zum Beispiel auf Kunden, Schüler, Ältere, Patienten - emotionale Dissonanz, zum Beispiel im Call Center, an der Hotelrezeption
Körperliche Abwechslung - einseitige Körperhaltung, zum Beispiel nur Sitzen, nur Stehen
- immer wiederkehrende einförmige Bewegungsabläufe, zum Beispiel am Fließband, beim Bestücken von Automaten
Qualifikationsnutzung und -erweiterung - wesentlich höhere oder niedrigere Qualifikation der Beschäftigten als für die Ausführung der Tätigkeit erforderlich
- qualifikationsfremder Einsatz des Beschäftigten
- ungenügende Schulung für die Bedienung der Arbeitsmittel, zum Beispiel Computer, Werkzeugmaschinen
- unzureichende Lernmöglichkeiten
Arbeitsschutzmaßnahmen
Zur Vermeidung psychischer Fehlbelastungen beziehungsweise zur Optimierung der psychischen Belastungen, die aus den Anforderungen der Arbeitsaufgabe und der Arbeitsorganisation resultieren, können nach [12], [13], [15], [16] beitragen: - systematischer Arbeitsplatzwechsel (job rotation):
Die Arbeitsinhalte werden nicht verändert, sondern mehrere Beschäftigte wechseln im Rhythmus die Arbeitsplätze. - Arbeitserweiterung (job enlargement):
Der Arbeitsinhalt wird vergrößert, das heißt den Beschäftigten werden mehrere ähnliche Arbeitsaufgaben übertragen, die auf gleichem Qualifikationsniveau liegen. Dies führt zu höheren Zyklus- beziehungsweise Taktzeiten. - Arbeitsbereicherung (job enrichment):
Der Arbeitsinhalt wird derart verändert, dass den Arbeitspersonen größere Handlungsspielräume übertragen werden und somit größere Qualifikationsanforderungen an sie gestellt werden. - Arbeitsgruppen mit erweiterten Handlungs- und Entscheidungsspielräumen:
Einer Arbeitsgruppe wird ein umfassender Arbeitsauftrag übertragen. Über die Art seiner Ausführung können die Mitglieder der Gruppe im Rahmen vorgegebener Ziele, Zeitvorgaben und technischer Bedingungen selbst entscheiden, zum Beispiel über die Verteilung der Arbeitsaufgaben.
Vorschriften, Regelwerk, Literatur
Gesetze, Verordnungen Regeln der Technik - DIN EN ISO 10075-1:2000 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung: Allgemeines und Begriffe
- DIN EN ISO 10075-2:2000 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung : Gestaltungsgrundsätze
- DIN EN ISO 10075-3:2004 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung: Grundsätze und Anforderungen am Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeitsbelastung
- ISO 6385:2004 Prinzipien der Ergonomie in der Auslegung von Arbeitssystemen, neu: Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen
Vereinbarung der europäischen Sozialpartner Literatur - [1] Joiko, K.; Schmauder, M.; Wolff, G.:
Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben: Erkennen – Gestalten 4. Auflage. Dortmund: 2008: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2008, BAuA-Quartbroschüre - [2] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Psychische Belastung und Beanspruchung: Stress, psychische Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung Dortmund 2000(AWE-Nr. 116) - [3] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Stress im Betrieb? - Handlungshilfen für die Praxis Bearbeiter: Projektgruppe "Stress" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dortmund/Berlin/Dresden 2004 (Gesundheitsschutz, 20) BAuA-Quartbroschüre - [4] Richter, P.; Hacker, W.:
Belastung und Beanspruchung – Stress, Ermüdung und Burnout im Arbeitsleben Heidelberg: Asanger Verlag 1998 - [5] Debitz, U.; Gruber, H.; Richter, G.:
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 2: Erkennen, Beurteilen und Verhüten von Fehlbeanspruchungen 4. überarbeitete Auflage Bochum: Verlag Technik & Information e.K. 2006 - [6] Richter, G.; Kuhn, K.; Gärtner, K.:
Toolbox 1.1. Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen Dortmund/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2006 (Forschung Projekt F; F1965) - [7] Resch, M.:
Analyse psychischer Belastungen – Verfahren und ihre Anwendung im Arbeits- und Gesundheitsschutz Bern: Hans Huber 2003 - [8] Richter, G.; Friesenbichler, H.; Vanis, M.: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 4: Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg
Tharandt: Info Media Verlag e.K., 2. überarbeitete Auflage, 2006 - [9] Holm, M; Max, G.:
Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung – Handlungshilfe Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2006 INQA-Quartbroschüre - [10] Hacker, W.:
Allgemeine Arbeitspsychologie Bern: Verlag Hans Huber, Hogrefe AG 2005 (2. vollständig überarbeite und ergänzte Auflage) ISBN 3-456-84249-X - [11] Frieling, E.; Sonntag, K.:
Lehrbuch Arbeitspsychologie Bern: Verlag Hans Huber 1999 (2., vollständig überarbeite und ergänzte Auflage)ISBN 3-456-82932-9 - [12] Ulich, E.:
Arbeitspsychologie 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage Zürich: vdf Hochschulverlag AG 2005 - [13] Richter, G.:
Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 2001. (Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschung, Fb 909) - [14] Richter, G.:
Psychische Belastung und psychische Beanspruchung : Stress, psychische Ermüdung, Monotonie und psychische Sättigung 3. überarbeitete Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 2000 (Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsanwendung, Fa 36) ISBN 3-89429-865-0 - [15] Pohlandt, A.; Heymer, J.; Gruber, H.:
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Teil 3: Verhüten von Fehlbeanspruchungen durch Arbeits- und Organisationsgestaltung 2. Auflage Bochum: Verlag Technik & Information e.K. 2004 - [16] Heeg, F. J.; Beinhold, F.; Bubel, S.:
Lust auf Arbeit Dortmund/ Berlin: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2003 BAuA-Quartbroschüre - [17] Schmidtke, H.:
Lehrbuch der Ergonomie München, Wien: Hauser 1993 ISBN 3-44616-440-5 - [18] Luczak, H.:
Arbeitswissenschaft Berlin, Heidelberg: Springer 1993 ISBN 3-54054-636-7 - [19] Bullinger, H. J.:
Ergonomie, Produkt- und Arbeitsplatzgestaltung Stuttgart: B. G. Teubner 1994 ISBN 3-51906-366-2 - [20] Becker, P.:
Prävention und Gesundheitsförderung In: Schwarzer, R. (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Göttingen: Hogrefe 1997, 517 folgende - [21] Antonovsky, A.:
Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit Tübingen: dgvt 1997 - [22] Richter, G.:
Psychische Belastung, Erfassung psychischer Belastung im Betrieb, Instrumente zur Erfassung psychischer Belastung & psychologische Arbeitsgestaltung: Rückblick, Situationsanalyse, Ausblick. In: Ludborzs, B.; Nold, H. (Hrsg.): Psychologie der Sicherheit und Gesundheit: Entwicklungen und Visionen 1980 – 2008 – 2020. Kröning: Asanger Verlag Internetangebote/Links
Textbausteine für Prüflisten und Formblätter
Prüffragen- Enthält die Arbeitsaufgabe mehrere Arbeitsschritte, die zusammen möglichst einen vollständigen Arbeitsablauf bilden (Planen, Ausführen, Kontrollieren, Prüfen)?
- Werden Belastungen durch Daueraufmerksamkeit bei seltenen aktiven Handlungserfordernissen während der Tätigkeit vermieden (zum Beispiel Überwachungstätigkeit in automatisierten Anlagen)?
- Werden immer wiederkehrende einförmige Bewegungsabläufe während der Tätigkeit vermieden (zum Beispiel Fließbandarbeit)?
- Sind Verantwortlichkeiten klar abgegrenzt?
- Sind zeitliche und inhaltliche Variationsmöglichkeiten für die Tätigkeitsausführung vorhanden?
- Erfolgt eine ausreichende Information der Beschäftigten zur Arbeitsaufgabe, zum Arbeitsablauf und zum Betriebsgeschehen?
- Erhalten die Beschäftigten ausreichend und rechtzeitig Rückmeldungen über die eigene Leistung?
- Bestehen ausreichende soziale und fachliche Kontaktmöglichkeiten zwischen den Beschäftigten während der Arbeitstätigkeit?
- Ist bei Tätigkeiten mit hoher emotionaler Inanspruchnahme, zum Beispiel in der Kranken- und Altenpflege oder bei der Sozialarbeit, eine ausreichende Unterstützung in Problemsituationen vorhanden?
- Werden Belastungen durch häufige unvorhergesehene Abweichungen vom normalen Arbeitsablauf vermieden?
- Ist es den Beschäftigten möglich, die anfallende Arbeit gleichmäßig über die Arbeitszeit zu verteilen?
- Stimmt die Qualifikation der Beschäftigten mit den Arbeitsanforderungen überein?
- Können die Beschäftigten auf die Arbeitsbedingungen Einfluss nehmen (zum Beispiel betriebliches Vorschlagswesen)?
- Entsprechen die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten den Interessen der Beschäftigten?
- Welche sozialen Angebote gibt es und wie werden sie angenommen (zum Beispiel Essenversorgung, betriebliche Gesundheitsförderung, Frauenförderung)?
[5] bis [9]
Festgestellte Gefährdungen/Mängel- Mangelhafte Arbeitsaufgabengestaltung
- unvollständige Arbeitstätigkeiten
- zu hohe oder zu geringe Verantwortung
- unzureichende Abgrenzung der Verantwortung
- unzureichende Information der Beschäftigten
- unzureichender zeitlicher und inhaltlicher Tätigkeitsspiel-raum
- unzureichende Kooperation, Kommunikation
- unzureichende körperliche Abwechslung
- hohe emotionale Inanspruchnahme
Maßnahmen bei psychischer Überforderung- Reduzierung der Aufgaben
- Vereinfachung der Aufgaben
- Schaffung inhaltlicher und/oder zeitlicher Freiheitsgrade
- Zeitpuffer vorsehen
- Supervisionsangebote
- bei psychischer Unterforderung
- Arbeitserweiterung
- Arbeitsbereicherung
- systematische Arbeitsplatzwechsel
- Gruppenarbeit einführen
- Pausengymnastik
- Beratung zu geeigneten arbeitsorganisatorischen Maßnahmen durch externe Fachkraft organisieren
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