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Psychische Faktoren

Arzt mit weißem Arbeitskittel beim Schieben eines Patientenbettes beim NotfalleinsatzDie Arbeitswelt unterliegt einem steten Wandel, der sich unter anderem in zunehmenden Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen an die Beschäftigten zeigt. Daneben verändert sich die Arbeit aber auch selbst, d. h., sie wird vielfältiger und komplexer, oftmals auch intensiver. So entstehen mit der Einführung neuer Führungskonzepte, die auf der Vereinbarung von Zielen basieren, höhere Planungs- und Steuerungsanforderungen an die Beschäftigten (Rothe, 2012; Rothe & Morschhäuser, 2014).

Weiterhin reagieren Unternehmen eher und schneller als früher mit Restrukturierungsmaßnahmen auf Krisen (Schütte & Köper, 2013).

Darüber hinaus muss – ausgehend von den im Rahmen des Konzepts Industrie 4.0 beschriebenen Zukunftsszenarien – von einer stärkeren Vernetzung und Kooperation von Mensch und Maschine ausgegangen werden (Kagermann, Wahlster & Helbig, 2013).

Mit den skizzierten Entwicklungen geht auch eine Verschiebung der auftretenden Arbeitsanforderungen einher, da die Anzahl von Tätigkeiten, bei denen kognitive, informatorische sowie emotionale Faktoren dominieren und somit die psychische Belastung überwiegt, gestiegen ist und weiter zunehmen dürfte.

Grundsätzlich sollten auch die mit dem Wandel der Arbeit auftretenden Belastungsveränderungen bzw. die daraus resultierenden neuen Arbeitsbedingungen den Kriterien menschengerechter Arbeit entsprechen. Eine Tätigkeit gilt dann als human, wenn sie die physische und psychische Gesundheit, das Wohlbefinden sowie die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt, der vorhandenen Qualifikation des Beschäftigten entspricht und die Entfaltung der individuellen Potenziale und Kompetenzen erlaubt (Gesellschaft für Arbeitswissenschaft, 1999). Die Erfüllung dieses Anspruchs verlangt umfassende Kenntnisse über das zur psychischen Belastung vorliegende Wissen, um darauf aufbauend Handlungsmöglichkeiten für die Gestaltung von Arbeit, also tätigkeitsbezogene, aber auch regulatorische Optionen, ableiten zu können.

Hinweis: Aktuell führt die BAuA das Projekt "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – wissenschaftliche Standortbestimmung" durch. Das Projekt zielt darauf ab, eine wissenschaftlich fundierte Standortbestimmung zu psychischen Belastungen in der Arbeitswelt zu erstellen, die nicht nur potenzielle Beeinträchtigungen, sondern auch gesundheitsförderliche Aspekte in den Blick nimmt.

Die erste Phase des Projekts, die der Wissensaufbereitung diente, wurde von 2014 bis 2015 durchgeführt. In der zweiten Phase werden die ermittelten Erkenntnisse durch einen ausführlichen Diskurs mit der Wissenschaft vertieft und ergänzt. In der dritten Phase des Projekts wird die BAuA bis zum Ende des Jahres 2016 im Dialog mit dem Bundesarbeitsministerium, einschlägigen Fachkreisen der Praxis und mit den Sozialpartnern Handlungsschwerpunkte und Umsetzungsoptionen im Arbeits- und Gesundheitsschutz identifizieren.

Der Abschnitt "Psychische Faktoren" wird im Anschluss an das Projekt geprüft und überarbeitet. Bis dahin werden an dieser Stelle die Empfehlungen aus dem Fachbuch "Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung", Infoteil A mit freundlicher Genehmigung des Erich Schmidt Verlags wiedergegeben.

Abweichend von der im Ratgeber bisher verwendeten Grundstruktur werden die Gefährdungsfaktoren in Merkmalsbereiche unterteilt. Die Darstellung der Gefährdungsfaktoren beginnt jeweils mit einer kurzen Beschreibung des Arbeitsmerkmals. Danach werden exemplarisch kritische Merkmalsausprägungen zusammen mit dem Gefährdungspotenzial genannt. Am Ende jedes Abschnitts erfolgen stichwortartig Hinweise auf mögliche Gestaltungsansätze, die die positiven Merkmalsausprägungen anzeigen und somit gleichzeitig auch Aspekte einer menschengerechten Arbeitsgestaltung darstellen.

Quelle: Richter, G.; Henkel, D.; Rau, R. & Schütte, M.: Beschreibung psychischer Belastungsfaktoren bei der Arbeit.
In: BAuA (Hrsg.): Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (S. 166–186), Berlin: Erich-Schmidt-Verlag, 2014

 

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Quellen

Autoren:

  • Dipl.-Inf. F. Brenscheidt
  • Dipl.-Psych. D. Henkel
  • Prof. Dr. rer. nat. habil. R. Rau
  • Dr. rer. nat. G. Richter
  • apl. Prof. Dr. phil. M. Schütte

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