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- Info
Steigen, Klettern
Einführung
Merkmale Die Kurzbegriffe "Steigen, Klettern" stehen beispielhaft für anstrengende arbeitsbedingte Bewegungen mit hoher dynamischer Ganzkörperbelastung. Sie sind vielfältig und lassen sich nach folgenden Merkmalen differenzieren: - Ersteigen von höher gelegenen Arbeitsplätzen über Treppen/Leitern/Steigeisengänge (zum Beispiel Turmdrehkrane, Hochspannungsmaste, Mobilfunksendanlagen, Windkraftanlagen, Gerüste, VanCarrier, Schornsteine, Schächte)
- Arbeit an schwer erreichbaren Stellen (zum Beispiel Fassadenarbeiten mit Seilsicherung/handbetriebenen Arbeitskörben, Gerüstbau, Felssicherung)
- Bewegung im Gelände mit Steigungen und/oder weichem Boden (zum Beispiel Forstarbeit, Weinbau in Steillagen, Bergbau)
- Kriechender/stark gebückter Zugang zu Arbeiten in Kanälen mit geringer Höhe (zum Beispiel Luftleitungskanäle, Abwasserkanäle, Kollektorkanäle)
- Gewerbsmäßige Bewegung von muskelkraftbetriebenen Fahrzeugen (zum Beispiel Postzustellung, Fahrradkuriere, Velotaxis, Fähren)
Grundsätzlich werden dabei nur solche Arbeitstätigkeiten betrachtet, die von der Mehrzahl aller Beschäftigten ohne besondere Bedingungen ausgeführt werden können. Tätigkeiten wie zum Beispiel Feuerwehr, Grubenwehr und Polizeidienst werden aufgrund der besondern Regelungen und speziellen Personalauswahl nicht berücksichtigt.
Art der Gefährdung und deren Wirkungen
Hinsichtlich der Beurteilung der physischen Belastung sind die Aspekte der Kreislaufbelastung, der biomechanischen Belastung und der spezifischen Unfallgefahren zu berücksichtigen. Herz-Kreislaufbelastung Die Herz-Kreislaufbelastung beim Steigen, Klettern führt zu allgemeiner, beim Gesunden voll reversibler körperlicher Ermüdung. Bei Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen besteht jedoch die Gefahr von ernsten Kreislaufstörungen. Bei erheblicher Anstrengung kann auch bei Gesunden die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht werden. Damit ist die Arbeitsaufgabe nicht mehr ausführbar. Muskel-Skelettbeschwerden Hohe Intensität und Dauer/Häufigkeit von Bewegungs- und Haltungskräften sowie ungünstige Körperhaltungen sind eine Gefahr für das Muskel-Skelett-System. Es können gesundheitliche Folgeerscheinungen auftreten: - akute schmerzhafte Schädigungen durch kurzzeitige mechanische Fehlbelastung mit deutlicher Funktionseinschränkung (Druckschmerz beim Knien, Muskelermüdung)
- chronische Schäden durch fortgesetzte mechanische Fehlbelastungen mit stetig zunehmenden Dauerbeschwerden [Muskelverspannung, Kniegelenkbeschwerden, Wirbelsäulenbeschwerden (insbesondere Lenden- und Halswirbelsäule)]
Unfallgefahr Steigen, Klettern und Kriechen erfolgen häufig unter schwierigen Bedingungen. Damit besteht die Gefahr des Ausgleitens, Anstoßens oder Abstürzens. Mit zunehmender körperlicher Ermüdung verringern sich die Körperkräfte und die Bewegungskoordination wird schlechter. Damit steigt die Gefahr von Fehlhandlungen an (Stolpern, Abrutschen).
Grenzwerte, Beurteilungskriterien
Beurteilung der Belastungen Die im Arbeitsschutzgesetz geforderte Beurteilung der Arbeitsbedingungen gilt auch für diese Tätigkeiten. Für die Beurteilung der Belastungen und Beanspruchungen von Tätigkeiten mit hohen dynamischen Ganzkörperbelastungen können die Energieumsatztafeln und Berechnungsformeln nach [7] verwendet werden. Durch Spezialisten können auch Bewertungen aufgrund der Grenzwerte und Verfahren der unter Vorschriften, Regelwerk, Literatur genannten Leitlinien durchgeführt werden. Grenzwerte Bei gesunden untrainierten Männern und Frauen mittlerer Leistungsfähigkeit im Altersbereich zwischen 20 und 50 Jahren sollen die körperlichen Aktivitäten etwa ein Drittel der maximalen Ergometrieleistung (W) oder der maximalen Sauerstoffaufnahme erreichen (Dauerleistungsgrenze). Die Herzschlagfrequenz (Hf), die sich in diesem (Grenz-)Bereich einstellt, liegt in der Größenordnung 105 bis 110 min-1. Die arbeitsbedingte Auslenkung der Hf (Netto-Hf) beträgt hier etwa 35 Schläge auf eine Arbeitsschichtdauer (8 h) bezogen. Bis zu diesem Bereich weisen ausgewählte Kreislauf- und Atmungsgrößen auf ein Gleichgewicht des aeroben Stoffwechsels hin. Einzelheiten sind unter [1] zu entnehmen.
Arbeitsschutzmaßnahmen
Gestaltung der Arbeitsbedingungen
Es sind technische und organisatorische Maßnahmen möglich:
- Festlegung eines angemessenen Arbeitspensums, wenn möglich sollten bei regelmäßigen Arbeiten mechanisierte Hilfsmittel verwendet werden.
- Wechsel zwischen be- und entlastenden Tätigkeiten, ausreichende Erholzeiten einplanen
- Unterweisung
- Wenn möglich, sicherheitsgerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen,
- ausreichender Bewegungsraum
- ebene, rutschfeste und stabile Aufstandsflächen
- geeignete Arbeitsschuhe, Handschuhe
- gute Sichtverhältnisse
- extreme Temperaturen und Feuchtigkeit vermeiden
- nicht behindernde Absturz- und Fallschutzsicherung
- Bei nicht gestaltbaren Arbeitsbedingungen Verwendung von geeigneten Körperschutzmitteln und Unterweisung in entsprechenden Arbeitstechniken, gegebenenfalls körperliches Training
- Steigleitern, Steigeisengänge müssen nach Notwendigkeit in angemessenen Abständen
(im Regelfall 10 m) mit Ruhebühnen ausgerüstet sind.
- Minimierung der Gewichte von mitgeführten Werkzeugen und Lasten.
Personenbezogene Maßnahmen
Folgende personenbezogene Maßnahmen sind zu empfehlen:
- Unterweisung der Beschäftigten mit Erläuterungen, die eigens auf die besonderen Gefährdungen durch manuelle Lastenhandhabung ausgerichtet sind:
- vor Aufnahme der Tätigkeit der Beschäftigten,
- bei Veränderungen im Aufgabenbereich,
- der Einführung neuer Arbeitsmittel oder einer neuen Technologie
- wenn besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen derartige Tätigkeiten ausführen müssen (Berufseinsteiger, Jugendliche und junge Erwachsene, ältere Beschäftigte, Beschäftigte mit besonderer Konstitution oder Disposition)
Die Unterweisung muss an die Gefährdungsentwicklung angepasst sein und erforderlichenfalls regelmäßig wiederholt werden.
- tätigkeitsbezogenes Training der Beschäftigten
- richtiges und sicheres Verhalten beim Steigen und Klettern - Klettertechniken,
- richtige Körperhaltung,
- sichere und korrekte Nutzung von Hilfsmitteln,
- Strategien zur Verringerung der Kraftanstrengung,
- vernünftige Arbeitseinteilung.
- individuelle Beratung der Beschäftigten im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge (BGI 504-46), gegebenenfalls in Verbindung mit BGI 504-41 (Absturzgefährdung) und ggf. Bezug zu Arbeiten in sauerstoffreduzierter Atmosphäre).
Rechtsgrundlage: §11 ArbSchG auf Wunsch des Beschäftigten bei nachgewiesener Gefährdungslage, keine Angebots- oder Pflichtuntersuchungen nach ArbMedVV
Vorschriften, Regelwerk, Literatur
Gesetze, Verordnungen Technisches Regelwerk zu den Arbeitsschutzverordnungen Weitere Regeln der Technik Literatur - [1] Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.:
Leitlinie "Nutzung der Herzschlagfrequenz bei arbeitswissenschaftlichen Untersuchungen" (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 002/014) - [2] Frauendorf, H.; Krueger, H.; Naumann, H.-J.; Pfister, E.; Scheuch, K.; Ulmer, H.-V.; Wirth, D.:
Körperliche Schwerarbeit – aktuelle Gegenstandsbestimmung In: "Stellung der Arbeitsphysiologie in der heutigen Arbeitsmedizin" Dokumentationsband über die 36. Jahrestagung der DGAUM (1996), Fulda, Rindt-Druck, 81-84 - [3] Grandjean, E.:
Physiologische Arbeitsgestaltung Landsberg, ecomed,1991 - [4] Rohmert, W.; Rutenfranz, J.:
Praktische Arbeitsphysiologie Stuttgart, New York, Thieme 1983 - [5] Seidel, H.-J.; Bittighofer, OM.:
Checkliste Arbeits- und Betriebsmedizin Stuttgart, New York, Thieme 2002 - [6] Ulmer, H.-V.:
Arbeits- und Sportphysiologie In: Schmidt RF und Thews G. (Hrsg.): Physiologie des Menschen, Berlin, Heidelberg, New York, Springer 1997 - [7] Spitzer, H.; Hettinger, T.:
Tafeln für den Kalorienumsatz bei körperlicher Arbeit REFA Sonderheft der REFA-Nachrichten Verband für Arbeitsstudien REFA e.V. Darmstadt 1964 - [8] G46 - Belastungen des Muskel-Skelett-Systems einschließlich Vibration.
In: DGUV (Hrsg.): Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (Arbeitsmedizinische Vorsorge). – 4. Auflage, Gentner Verlag: Suttgart, 2007, S. 815ff. und 871ff.
Textbausteine für Prüflisten und Formblätter
Prüffragen - Kommt Steigen, Klettern häufig und regelmäßig bei der Arbeit vor?
- Ist die Intensität hoch?
- Wird die Arbeit von den Beschäftigten als beanspruchend empfunden?
- Sind besonders geschützte Beschäftigte oder solche mit verringerter Belastbarkeit eingesetzt?
Wenn eine oder mehrere Fragen mit "ja" beantwortet werden, dann ist eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen vozunehmen.
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