Art der Gefährdungen und deren Wirkungen
Wirkungen elektromagnetischer Felder
Die Wirkung elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder (EMF) auf den Menschen ist abhängig vom Frequenzbereich, der Feldstärke und der zeitlichen Änderung der Feldstärke.
Der menschliche Körper ist ein relativ guter Leiter. Niederfrequente elektrische Felder erzeugen durch Influenz Ströme innerhalb des Körpers. Bei Einwirkung niederfrequenter Magnetfelder, die das Körpergewebe ungehindert durchdringen, kann es durch die im Körper induzierten Ströme zu Reizungen von Muskeln und Nerven kommen.
Hochfrequente elektromagnetische Felder werden beim Eindringen in biologische Materie absorbiert, wobei Wärme entsteht. Bei ausreichend hoher Intensität kann es bei lokaler Einwirkung, z. B. auf das Auge, zu einer Temperaturerhöhung in der Augenlinse und bei langjähriger Einwirkung zur Entstehung eines Grauen Stars kommen. Längere Ganzkörpereinwirkung kann zur Erhöhung der Körperkerntemperatur mit möglichen Schädigungen führen.
Elektromagnetische Verträglichkeit
Ein separates Gebiet ist die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) von technischen Bauteilen, Geräten, Komponenten oder ganzen Anlagen. Durch Festlegungen von Mindestanforderungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit sollen technische Funktionsstörungen verringert werden.
Herzschrittmacher und andere Körperhilfsmittel
EMF können Herzschrittmacher (HSM) und andere Implantate durch indirekte Wirkungen beeinflussen. Die Schrittmacher-Elektroden-Konfiguration stellt eine Antenne beziehungsweise Induktionsschleife und damit eine Empfangseinrichtung für von außen einwirkende Felder dar, dadurch sind Störungen möglich. Die Folgen einer Funktionsstörung des Implantates reichen von kaum merklichen Unregelmäßigkeiten des Gerätes bis zu Gefährdungen des Implantatträgers (leichter Schwindel, Bewusstseinsverlust, im Extremfall Tod).
Bereiche starker Felder sind mit Warn- beziehungsweise Verbotszeichen zu kennzeichnen, siehe BGV B11 "Elektromagnetische Felder" und Beispiel in BGI 5011 "Beurteilung magnetischer Felder von Widerstandschweißeinrichtungen".
Bei der Herstellung von HSM und anderen Körperhilfsmitteln wird die Möglichkeit indirekter Wirkungen berücksichtigt, deshalb wird eine möglichst hohe Störfestigkeit der Geräte angestrebt.
Die Störmöglichkeit eines Implantates hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von Typ und Einstellung des Schrittmachers, von Frequenz und Pulsung oder Modulation des störenden Feldes sowie von den geometrischen Verhältnissen, daher ist die Beurteilung der Arbeitsplatzsituation oft kompliziert. Nach Ermittlung der tatsächlichen Gefährdungssituation kann jedoch der Einsatz des Beschäftigten oftmals weiterhin ermöglicht werden, im idealen Fall wird eine individuelle Gefährdungsbeurteilung bereits vor der Implantation vorgenommen. Wie bei der Ermittlung einer möglichen Beeinflussung von Implantaten durch EMF vorzugehen ist, wird in der BG-Information "Beeinflussung von Implantaten durch elektromagnetische Felder", detailliert beschrieben (siehe BGI 5111).




