Gefährdungen durch spezielle physikalische Einwirkungen
Spezielle physikalische Einwirkungen im Sinne dieses Ratgebers umfassen Lärm, Vibrationen, optische und ionisierende Strahlung, elektromagnetische Felder sowie Unter- oder Überdruck.
Dabei bezeichnet Lärm jeglichen Schall, der zu Gehörschäden oder auch zu extraauralen Gefährdungen wie beispielsweise durch Überhören von Warnsignalen, Befindlichkeits- und Kommunikationsstörungen, einem erhöhten Risiko für das Herz-Kreislauf-System, einer verminderten Arbeitsleistung der Beschäftigten führen kann.
Vibrationen, also mechanische Schwingungen, die von Gegenständen auf den menschlichen Körper übertragen werden, umfassen Ganzkörper-Vibrationen, die insbesondere Rückenschmerzen und Schädigungen der Wirbelsäule verursachen und Hand-Arm-Vibrationen, die zu Knochen- oder Gelenkschäden, Durchblutungsstörungen oder neurologische Erkrankungen führen können.
An Arbeitsplätzen kann es – auch unbeabsichtigt - zur Einwirkung von ionisierender oder nichtionisierender Strahlung auf Beschäftigte kommen.
Zur ionisierenden Strahlung rechnet man Strahlung, deren Energie ausreicht, um Elektronen aus einem Atom oder Molekül herauszulösen. Als Wirkungen auf den Menschen können auftreten: Strahlenkrankheit, Verbrennung, geschwächtes Immunsystem, gentoxische Veränderungen, Sterilität, Tod.
Ist die Energie der Strahlung nicht ausreichend zur Ionisation, spricht man von nichtionisierender Strahlung. Zur nichtionisierenden Strahlung gehören elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder sowie optische Strahlung.
Die Wirkungen hochfrequenter Felder auf Beschäftigte werden durch thermische Effekte bestimmt (Mikrowellenstar). Bei niederfrequenten Feldern treten vor allem Reizwirkungen auf Sinnes-, Nerven- und Muskelzellen auf. Neben den direkten Wirkungen sind die indirekten Wirkungen (zum Beispiel Ableitströme, Elektrisierungen) und die möglichen Einflüsse auf Geräte (wie Implantate) zu beachten.
Gefährdungen durch optische Strahlung aus künstlichen oder natürlichen Quellen bestehen vor allem in Schädigungen von Augen und Haut.
Hinweis:
Abbildung 7-1 gibt einen Überblick über das elektromagnetische Spektrum. Der Bereich des sichtbaren Lichts befindet sich an der Grenze zwischen ionisierender und nichtionisierender Strahlung. Elektromagnetische Felder lassen sich durch die Größen Frequenz f und Wellenlänge λ charakterisieren. Beide Parameter sind über die Lichtgeschwindigkeit c = λ x f miteinander verknüpft.
Unter- und Überdruck beeinflussen die Aufnahme beziehungsweise Abgabe von Atemgasen. Unterdruck in Höhenlagen, Flugzeugen oder Unterdruckkammern schränkt die Sauerstoffversorgung ein und kann insbesondere bei gleichzeitig körperlicher Beanspruchung zu physiologischen Störungen bis zu schwerer Höhenkrankheit und tödlichen Lungen- und Hirnödemen führen. Bei Überdruck beim Tauchen und im Spezialtiefbau unter Wasser reichern sich Atemgase im Körper an, die bei zu schneller Druckabnahme lebensgefährliche physiologische Störungen und Schädigung von Knochen- und Muskelgewebe, der Kreislauffunktionen, des Zentralnervensystems und der Atemorgane hervorrufen können.

