Art der Gefährdungen und deren Wirkungen
Hautgefährdende Stoffe
Hautgefährdende Stoffe sind ätzende, reizende oder sensibilisierende Stoffe und Zubereitungen. Häufig führen hautgefährdende Stoffe wie zum Beispiel Seifen, Säuren und Laugen, Wasch- und Reinigungsmittel zu einer Entfettung der Haut und zu einer Schädigung der oberen Hautschicht, der natürlichen Schutzbarriere der Haut. Neben der Gefährdung durch Chemikalien kann diese Schutzschicht auch durch mechanische Beanspruchung oder Feuchtarbeit beschädigt werden [1].
Feuchtarbeitsplatz
Ein Feuchtarbeitsplatz liegt vor, wenn der Beschäftigte
- mehr als 2 Stunden im feuchten Milieu tätig ist (zum Beispiel Friseure, Reinigungskräfte, Köche),
- mehr als 2 Stunden flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe trägt oder
- häufig und intensiv seine Hände reinigt beziehungsweise desinfiziert (zum Beispiel medizinischer Bereich).
Die wiederholt, chronische Schädigung der Hautschutzschicht kann über einen längeren Zeitraum zu einem toxisch –degenerativen Kontaktekzem führen. Ein typisches Beispiel sind die sogenannten Waschfrauenhände. Die Hände sind häufig geschwollen, die Haut ist schuppig und es bilden sich Risse, Rötungen und Schwellungen.
Bei der Einwirkung von stark reizenden oder hoch konzentrierten Substanzen, wie zum Beispiel Säuren und Laugen kommt es in Abhängigkeit von der Konzentration und Einwirkzeit zu einer sofortigen Hautschädigung. Das toxische Kontaktekzem entsteht an der Kontaktstelle und heilt in der Regel nach Ende des Kontakts wieder ab [1].
Hautsensibilisierende Stoffe
Ist ein Stoff oder eine Zubereitung hautsensibilisierend, können allergische Hautekzeme auftreten. Typische Allergene sind zum Beispiel Epoxidharze oder Metalle, wie Chrom, Nickel und Cobalt. In vielen Fällen tritt ein allergisches Kontaktekzem erst nach Jahren auf.
Individuelle Unterschiede bedingen unterschiedliche Risiken an eine Hautallergie zu erkranken. Ein weiterer allergiefördernder Einflussfaktor ist eine bereits vorgeschädigte Hautschutzschicht.
Hautresortive Stoffe
Hautresorptive Stoffe gelangen über die Haut direkt in den Körper. Ein giftiger Stoff kann dort direkt zu akuten Gesundheitsschäden führen. Eine hohe Gefährdung geht jedoch auch von hautresorptiven Stoffen mit einer krebserzeugenden, erbgutverändernden, fruchtbarkeitsgefährdenden Wirkung aus [1].
Ein Stoff ist hautresorptiv, wenn er
- als gesundheitsschädlich, giftig oder sehr giftig bei Berührungen mit der Haut gekennzeichnet ist (R21, R24, R27),
- in der TRGS 900 – Arbeitsplatzgrenzwerte, in der TRGS 905 – Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe oder in der MAK- und BAT- Werte Liste der DFG [2], mit "H" gekennzeichnet ist,
- in der TRGS 401 - Anlage 3 aufgeführt ist oder
- in Kapitel 8 oder 11 im Sicherheitsdatenblatt eine Angabe zur hautresorptiven Wirkung vorliegt. Anhand des Gefährdungspotentials des Gefahrstoffes, der Wirkfläche und der Wirkdauer leitet das EMKG den zusätzlichen Handlungsbedarf für die Gefährdungen durch Hautkontakt ab.
Die Bestimmung der Gefährlichkeitsgruppe erfolgt auch hier über die R-Sätze. Die hautrelevanten R-Sätze werden fünf Gefährlichkeitsgruppen "HA" – "HE" zugeordnet, wobei hier das Band "HA" für weniger kritische R-Sätze und das Band "HE" für die kritischsten R-Sätze steht.

Abbildung 3.3-1. Gefährlichkeitsgruppe Haut.
*Hinweis:
Ist dieser Stoff NICHT hautresorptiv, kann die Zuordnung zur Gefährlichkeitsgruppe entfallen. Stoffe mit Carrier-Effekt können auch nicht hautresorptive Stoffe durch die Haut transportieren. Beispiele hierfür sind Dimetlylsulfoxid (DMSO), N,N-Dimethylformamid (DMF) und Glykolverbindungen.
Liegt ein reiner Stoff vor und fehlt die toxikologische Prüfung auf Hautreizung wird die Gefährlichkeitsgruppe HB gewählt. Bei fehlender Prüfung auf akute Toxizität oder Hautsensibilisierung sollte die Gefährlichkeitsgruppe HC zugeordnet werden.
Wirkfläche
Es wird zwischen einer groß- und kleinflächigen Benetzung der Hautfläche unterschieden. Die Wirkfläche ist klein, wenn der Beschäftigte nur mit wenigen Spritzern kontaminiert ist. Eine große Wirkfläche liegt vor, wenn zum Beispiel die Hand benetzt ist.
Gerade bei der Bestimmung der Wirkfläche erschweren unterschiedliche Arbeitsweisen und das persönliche Verhalten die Abschätzung. Im Zweifelsfall ist die kritischste Größe anzunehmen. Schutzhandschuhe oder andere persönliche Schutzausrüstung sind bei der Abschätzung außer Acht zu lassen.
Wirkdauer
Bei einer kurzen Wirkdauer ist der Hautkontakt unter 15 Minuten / Tag und bei einer langen Wirkdauer über 15 Minuten / Tag. Die Dauer des Hautkontaktes endet mit der Entfernung des Gefahrstoffes.




