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GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG
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Arbeitsschutzmaßnahmen

Pflichten des Arbeitgebers bei Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

  • Der Unternehmer hat unter Berücksichtigung des § 4 ArbSchG und § 3 BetrSichV dafür zu sorgen, dass elektrische Gefährdungen, denen Beschäftigte bei der Bereitstellung und Benutzung von elektrischen Betriebsmitteln, beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen sowie bei der Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln ausgesetzt sind, ausgeschlossen oder hinreichend begrenzt werden.
  • Nach BGV A3 hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln (Herstellen, Errichten, Ändern und Instandsetzen) nur von der Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht der Elektrofachkraft durchgeführt werden.
  • Der Unternehmer kann zu den Arbeitsaufgaben und den Arbeitsbereichen eine Pflichtenübertragung nach § 13 BGV A1 durchführen.
  • Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden (§ 10 BetrSichV). Die Prüfungen nach § 10 BetrSichV dürfen nur von hierzu befähigten Personen (TRBS 1203) durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Prüfungen nach § 10 der BetrSichV sind aufzuzeichnen und über einen angemessenen Zeitraum aufzubewahren.

Arbeitsschutzmaßnahmen im Rahmen der Fach- und Aufsichtsverantwortung der Elektrofachkraft

  • Sicherstellen des spannungsfreien Zustandes durch Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln (BGV A3, DIN VDE 0105-100):
    • Freischalten
    • gegen Wiedereinschalten sichern
    • Spannungsfreiheit feststellen
    • Erden und Kurzschließen
    • benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
  • In der Nähe unter Spannung stehender Teile, die nicht gegen direktes Berühren geschützt sind (zum Beispiel Stromschienen, Freileitungen, Verteiler), darf gearbeitet werden, wenn der Schutz gegen zufälliges Berühren durch isolierende Schutzeinrichtungen (zum Beispiel Abdeckungen) sichergestellt oder die zulässige Annäherung durch zum Beispiel Personen, Werkzeuge, Maschinen nicht unterschritten werden. Als zulässige Schutzabstände gelten:
    • die äußere Grenze der Annäherungszone für nicht elektrotechnische Arbeiten (DV), siehe Anlage 1
    • die äußere Grenze der Annäherungszone, für spezielle Arbeiten (Ausführung der Arbeiten durch Elektrofachkräfte oder unter deren Aufsichtsführung), siehe Anlage 2

      Abb. 2-1. Abstände in Luft und Zonen für Arbeiten
      Abbildung 2.1-1. Abstände für Luft und Zonen für Arbeiten.
  • In Fällen, in denen der spannungsfreie Zustand der aktiven Teile nicht sichergestellt werden kann oder die äußere Grenze der Gefahrenzone unterschritten wird, kann die Arbeitsmethode "Arbeiten unter Spannung" für die Durchführung von notwendigen Arbeiten angewendet werden. Innerhalb der Gefahrenzone (DL) besteht akute Lebensgefahr, wenn keine speziellen Arbeitsschutzmaßnahmen angewendet werden, siehe Anlage 3.
  • Arbeiten unter Spannung müssen nach national erprobten sicheren Verfahren ausgeführt werden. Bedingungen und Regelungen dazu sind in BGR A3 und DIN VDE 0105-100 angegeben.
  • Beim Betätigen von Spannung führenden NH-Sicherungen sollte der Sicherungsaufsteckgriff mit Stulpe und Gesichtsschutz verwendet werden, wenn kein Berührungsschutz und keine Schottungen zwischen den NH-Sicherungsunterteilen vorhanden sind. Unterweisungen und Training für das Betätigen von NH-Sicherungen werden empfohlen.
  • Die Pflicht für die Durchführung von Erst- und Wiederholungsprüfungen folgt aus den § 3 und §10 BetrSichV sowie DIN EN 50110-1 (DIN VDE 0105-100). Regelungen für die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (Erst- und Wiederholungsprüfungen) sind in TRBS 1201 sowie in DIN VDE 0100-600, DIN VDE 0701-0702 angegeben. Weitere spezielle Prüfungen sind im Technischen Regelwerk enthalten.
  • Gemäß § 10 BetrSichV sind elektrische Anlagen und Betriebsmittel in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten. Der ordnungsgemäße Zustand ist nach der Montage und vor der ersten Inbetriebnahme beziehungsweise nach Änderungen oder Instandsetzungen vor der Wiederinbetriebnahme durch Prüfungen nachzuweisen.

    Unterliegen Arbeitsmittel Schäden verursachenden Einflüssen, die zu gefährlichen Situationen führen können, so sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (TRBS 1111) wiederkehrende Prüfungen vorzusehen. Für wiederkehrende Prüfungen sind die Fristen so zu bemessen, dass entstehende Mängel, mit denen gerechnet werden muss, rechtzeitig festgestellt werden.
    Die Beispiele für die Ermittlung der Fristen für Wiederholungsprüfungen an elektrischen Betriebsmitteln sind in der TRBS 1201 Punkt 3.5.2 gegeben.

Maßnahmen zum Erhalten des ordnungsgemäßen Zustandes

Um die elektrische Sicherheit von Betriebsmitteln zu gewährleisten, müssen die Maßnahmen, die diese Sicherheit realisieren (Basisschutz, Fehlerschutz und Zusatzschutz sowie Lichtbogenschutz), im ordnungsgemäßen Zustand erhalten bleiben:

Basisschutz

Schutzmaßnahmen gegen das Berühren betriebsmäßig Spannung führender Teile:
Austausch von

  • unzureichenden oder beschädigten Isolierungen,
  • defekten Isolierplatten, Abdeckungen, Gehäusen oder Kapselungen,
  • beschädigten oder unzulässigen Steckverbindungen,
  • Anschluss- oder Verlängerungsleitungen ohne Zugentlastung
  • beziehungsweise Beseitigung äußerlich erkennbarer Schäden und Mängel.

Fehlerschutz

Schutzmaßnahmen beim Berühren von Teilen, die im Fehlerfall eine gefährliche Spannung annehmen können:

  • Überprüfen, ob die in DIN VDE 0100-410 beschriebenen Schutzmaßnahmen vorhanden beziehungsweise wirksam sind,
  • Durchführung von wiederkehrenden Prüfungen nach § 10 BetrSichV (TRBS 1201) durch befähigte Person (TRBS 1203).

Zusatzschutz

Der Zusatzschutz ist nur als Ergänzung des Basisschutzes einzusetzen. Er wird realisiert mit RCDs (früher Fehlerstrom-Schutzschaltern) mit IΔn ≤ 30 mA oder mit LS/DI-Schalter (bedingt zulässig). Der Zusatzschutz wird besonders dort gefordert, wo robuste Bedingungen den Basisschutz unwirksam machen können, zum Beispiel in Räumen mit Badewanne oder Dusche, Schwimmhallen, Baustellen, landwirtschaftliche Betriebsstätten (nach DIN VDE 0100 Gruppe 700).

Störlichtbogenschutz

Schutzmaßnahmen gegen das Auftreten beziehungsweise gegen die Wirkungen von Störlichtbögen:

  • Auswahl und Einsatz von lichtbogengeprüften Schalt- und Verteilungsanlagen,
  • Bescheinigung des Errichters der Anlage zur Gewährleistung des Lichtbogenschutzes,
  • Durchführen von Funktionsprüfungen der Lichtbogenschutzeinrichtungen nach Angaben des Herstellers,
  • Realisieren der technischen Maßnahmen nach DIN VDE 0101, siehe Abschnitt "Vorschriften, Regelwerk, Literatur"
  • Benutzung von geeigneten PSA,
  • Einhalten der vorgeschriebenen klimatischen Bedingungen

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