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- Info
Kälte
Art der Gefährdungen und deren Wirkungen
Kältebereiche Nach DIN 33403-5 unterscheidet man fünf Kältebereiche: Tabelle 8.1-2. Kältebereiche | Kältebereich | Benennung | Lufttemperatur t (°C) | | I | kühler Bereich | von +15 bis +10 | | II | leicht kalter Bereich | unter +10 bis -5 | | III | kalter Bereich | unter -5 bis -18 | | IV | sehr kalter Bereich | unter -18 bis -30 | | V | tiefkalter Bereich | unter -30 | Kälte kann durch Geräte, Verfahren oder Witterungsbedingungen verursacht werden, - zum Beispiel in Kühlhäusern, in der Lebensmittel-, Getränkeindustrie, bei Arbeiten im Freien,
- zum Beispiel in der Land- und Forstwirtschaft oder Bauindustrie.
Gesundheitsgefahren Bereits leichte Abweichungen vom Behaglichkeitsbereich mindern das Wohlbefinden. Die kältebedingte Minderdurchblutung von Haut und Extremitäten ruft Kälteempfindungen sowie Einschränkungen von Beweglichkeit, Sensibilität und Geschicklichkeit hervor. Durch die gleichzeitige Abnahme des Reaktionsvermögens, der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit erhöht sich die Unfallgefahr. Die Minderdurchblutung von Haut und Extremitäten kann bei starker Abkühlung örtliche Schäden des Körpergewebes (Erfrierungen 1. bis 4. Grades) verursachen. Anhaltender starker Wärmeentzug kann zu einer Abkühlung des Gesamtorganismus führen. Die Abkühlung kann im extremen Fall eine lebensbedrohliche Absenkung der Körperkerntemperatur mit Bewusstseinsverlust zur Folge haben.
Grenzwerte, Beurteilungskriterien
Gefährdungsabschätzung Für eine grobe Einschätzung des Gesundheitsrisikos unter Berücksichtigung auch höherer Luftgeschwindigkeiten kann Abbildung 8.1-3 als Anhaltspunkt dienen.  (1) große Gefährdung (2) erhöhte Gefährdung für Erfrierungen ungeschützter Körperteile (3) geringe Gefährdung bei hinreichender Bekleidung (4) Gefahr durch Unterschätzung der notwendigen Schutzmaßnahmen Abbildung 8.1-3. Bereiche kalter Klimabedingungen mit verschieden großer Gefährdung des Menschen. Einflussgrößen Folgende Einflussgrößen, die sich nach DIN-Fachbericht 128 und DIN 33403-5 ermitteln beziehungsweise an Hand von Tabellen abschätzen lassen, sind für thermische Belastungen an Kältearbeitsplätzen maßgebend: - Lufttemperatur
- Luftgeschwindigkeit
- Wärmestrahlung
- energetische Arbeitsbelastung
- Wärmeisolation der Bekleidung
- Expositionszeit
Mittlere Hauttemperatur Die thermischen Belastungen bei Kältearbeit sollten so gering wie möglich sein oder im Erträglichkeitsbereich liegen. Erträgliche Bedingungen sind nach DIN 33403-5 dann gegeben, wenn die mittlere Hauttemperatur (gemessen nach DIN EN ISO 9886) nicht unter 30°C absinkt. Besonders häufig treten lokale Unterkühlungen an Kopf, Gesicht (Nase, Kinn, Ohren), Händen (Finger) und Füßen (Zehen) auf. Die Schutzmaßnahmen sollten mindestens sicherstellen, dass an keiner dieser Körperstellen die Hauttemperatur unter + 12°C absinkt.
Arbeitsschutzmaßnahmen
Reduzierung der Kältebelastung Maßnahmen zur Reduzierung der Kältebelastung können sein: - Kältebelastung reduzieren
Die Lufttemperatur ist die grundlegende und wichtigste Belastungsgröße und sollte nicht niedriger als technologisch erforderlich sein. - Zugluft vermeiden
Die Luftgeschwindigkeit ist möglichst gering zu halten. DIN 33403-5 empfiehlt für vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeiten eine mittlere Luftgeschwindigkeit von <0,2 ± 0,1 m/s. - Wärmestrahler einsetzen
Arbeitsschutzmaßnahmen bei häufig wechselnden Klimabelastungen Reduzierung der Kältebelastunghäufig wechselnde Klimabelastungen zwischen den Kältebereichen sowie zwischen Kältebereich und Außenklima einschränken, zum Beispiel durch - überbaute Rampen mit möglichst klimadichtem Abschluss an Lastkraftwagen
- beheizbare Fahrerkabinen (Gabelstapler)
- Einrichtung von Zwischenlagerräumen
- Arbeitsteilung zwischen den Klimabereichen
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) verwenden Die Bekleidung ist an die jeweiligen Arbeits- und Klimabedingungen anzupassen, eventuell ist beheizbare Kälteschutzkleidung zur Verfügung zu stellen, siehe Anlage 3: Beispiele für Isolationswerte verschiedener Bekleidungen (trocken). Aufwärmzeiten beachten Aufwärmzeiten nach DIN 33403-5 empfohlene Kälteexpositions- und Aufwärmzeiten sind möglichst einhalten (siehe Tabelle 8.1-6). Tabelle 8.1-6. Kälteexpositions- und Aufwärmzeiten nach DIN 33403-5 Kältebereich | Lufttemperatur t (°C) | Maximale, ununterbrochene Kälteexpositionszeit (min) | Empfohlene Aufwärmzeit in % zur Kälteexpositionszeit (%) | Empfohlene Aufwärmzeit (gerundete Werte)(min) | I | von +15 bis +10 | 150 | 5 | 10 | II | unter +10 bis - 5 | 150 | 5 | 10 | III | unter - 5 bis -18 | 90 | 20 | 15 | IV | unter -18 bis -30 | 90 | 30 | 30 | | V | unter -30 | 60 | 100 | 60 | Bedingungen in Pausenräumen - Aufwärm- und Umkleideräume einrichten (§ 6 ArbStättV und Anhang 4.1 und 4.2 ArbStättV)
- Raumtemperatur muss mindestens 21 °C betragen, Räume sollen trocken und zugluftfrei sein
- eventuell Einrichtungen zur Wiedererwärmung der Hände und Füße vorsehen (Warmluftgeräte, Wärmeplatten)
Kleidung trocknen / Trockenschränke vorsehen - Möglichkeit schaffen, Kälteschutzkleidung abzulegen und zu trocknen
- für Arbeit in den Kältebereichen III bis IV Einrichtungen zur Trocknung (Trockenschränke) und Erwärmung der Kleidung, Stiefel und Handschuhe vorsehen
Kontaktkälte Kontaktkälte ist möglichst zu vermeiden. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen Beschäftigte, die bei Temperaturen unter -25 °C arbeiten, sind gemäß Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen.
Vorschriften, Regelwerk, Literatur
Gesetze, Verordnungen Technische Regelwerke zu den Arbeitsschutzverordnungen Vorschriften der Unfallversicherungsträger Weitere Regeln der Technik - DIN EN 342:2004 Schutzkleidung - Kleidungssysteme und Kleidungsstücke zum Schutz gegen Kälte
- DIN 33403-5:1997 Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung : Ergonomische Gestaltung von Kältearbeitsplätzen
- DIN 50010-2:1981 Klimate und ihre technische Anwendung : Klimabegriffe : Physikalische Begriffe
- DIN EN 340:2004 Schutzkleidung : Allgemeine Anforderungen
- DIN EN ISO 7730:2006 Ergonomie der thermischen Umgebung - Analytische Bestimmung und Interpretation der thermischen Behaglichkeit durch Berechnung des PMV- und des PPD-Indexes und Kriterien der lokalen thermischen Behaglichkeit
- DIN EN ISO 7726 : 2002 Umgebungsklima - Instrumente zur Messung physikalischer Größen
- DIN EN ISO 9886 : 2004 Ergonomie - Ermittlung der thermischen Beanspruchung durch physiologische Messungen
- DIN-Fachbericht 128:2003 Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung – Grundlagen zur Klimaermittlung
- DIN EN ISO 9920:2007 Ergonomie der thermischen Umgebung - Abschätzung der Wärmeisolation und des Verdunstungswiderstandes einer Bekleidungskombination
- DIN EN ISO 11079 : 2008 Ergonomie der thermischen Umgebung - Bestimmung und Interpretation der Kältebelastung bei Verwendung der erforderlichen Isolation der Bekleidung (IREQ) und lokalen Kühlwirkungen
- DIN EN ISO 15743:2008 Ergonomie der thermischen Umgebung - Arbeitsplätze in der Kälte – Risikobewertung und Management
- VDI 2078:1996 Berechnung der Kühllast klimatisierter Räume (VDI-Kühllastregeln)?
- BGI 504-21 Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 21 "Kältearbeiten"
Literatur
Textbausteine für Prüflisten und Formblätter
Prüffragen - Werden Kältebelastungen durch Witterungsbedingungen, Geräte oder Verfahren weitestgehend verhindert?
- Ist die Lufttemperatur nicht niedriger als technologisch unbedingt erforderlich?
- Wird Zugluft weitgehend vermieden?
- Sind vorhandene Schutzmaßnahmen ausreichend?
Festgestellte Gefährdungen und Mängel - Kältebeanspruchung durch Witterungsbedingungen
- Kältebeanspruchung durch Geräte / Verfahren
Maßnahmen - Lufttemperatur nicht niedriger als technologisch unbedingt erforderlich einstellen
- Zugluft vermeiden durch zum Beispiel Abdichten von Fenstern / Türen; Windschutz; geringe Luftgeschwindigkeit
- Wärmestrahler einsetzen
- Persönliche Schutzausrüstung anwenden
- Aufwärmzeiten nach DIN 33 403-5 einhalten
- Umkleideräume einrichten
- Aufwärmräume einrichten
- Warmluftgeräte / Wärmeplatten zur Wiedererwärmung der Hände aufstellen
- Trockenschränke zum Vorwärmen und Trocknen der Kleidung vorsehen
- Kontaktkälte vermeiden
Maßnahmen bei häufig wechselnden Klimabelastungen - überbaute Rampen zum klimadichten Abschluss an Lastkraftwagen vorsehen
- beheizbare Fahrerkabinen einrichten
- Zwischenlagerräume einrichten
- Arbeitsteilung zwischen den Klimabereichen vorsehen
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